Die Geschichte Rigpas

Heutzutage sind viele Menschen auf der ganzen Welt mit dem tibetischen Buddhismus in Kontakt gekommen und haben enormen Nutzen aus seinen Lehren und Praktiken gezogen. Ein entscheidender Auslöser für seine erstaunliche Verbreitung war die Ankunft einer Anzahl von tibetischen Lehrern im Westen in den 60er und 70er Jahren, die sich bemühten herauszufinden, wie ihre langjährige buddhistische Tradition für moderne Menschen zugänglich gemacht werden kann.

Einer dieser Lehrer war Sogyal Rinpoche, und der von ihm geschaffene organisatorische Rahmen für die Vermittlung der buddhistischen Lehren war Rigpa. Die Geschichte Rigpas ist damit also ein Teil der Geschichte dessen, wie das Buddhadharma in den Westen kam. Es ist eine Geschichte, die erklärt, was dazu führte, dass aus einem kleinen Zimmer eines Obergeschosses in London, in dem Rinpoche ein Dutzend Schüler lehrte, eine internationale Organisation mit vier Retreat-Plätzen, einer Reihe von Stadtzentren und Tausenden von Schülern wurden, die eine wesentliche Rolle darin spielte, den tibetischen Buddhismus der westlichen Welt nahezubringen.

Rinpoche wurde in Kham im Osten Tibets geboren und von Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö, einem der herausragenden spirituellen Meister des 20sten Jahrhunderts, als Inkarnation von Tertön Sogyal Lerab Lingpa – einem Lehrer des 13. Dalai Lama – erkannt und inthronisiert. Jamyang Khyentse kümmerte sich um Rinpoches Ausbildung und zog ihn wie seinen eigenen Sohn auf. Als sich die Zustände in Kham verschlechterten, gingen Khyentse Rinpoche und sein junger Schüler nach Zentraltibet, wo sie 1955 in Lhasa zum ersten Mal Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama begegneten. Von dort aus setzten sie ihre Pilgerreise fort und zogen nach Indien, bis sich Jamyang Khyentse schließlich auf Einladung des Chögyal – des Königs – von Sikkim in Gangtok niederließ, wo er 1959 verstarb.


Der junge Sogyal Rinpoche mit Jamyang Khyentse in den 50er Jahren in Sikkim.